Wir, das Team Albatros Yachting vom Segelclub Hochheim am Main, können mit der San Diego, einer Bavaria42 Match die Startlinie als 23.tes Boot überqueren. Bei ca. 3 Bft. aus Norden kreuzt die Flotte, bestehend aus 31 Schiffen, aufgeteilt in zwei  Einheitsklassen, nach Norden zur Spitze der Insel Ugljan. Von hier aus geht es dann ca. 2  Seemeilen nach Westen und man erreicht die offene Adria. Heute ist richtiges Kaiserwetter, Sonnenschein und ca. 17 Grad warm, so macht Segeln Spaß. 

 

                                                                 In diesem Teil der Strecke, dem  Zadarkanal, kommt der Wind zwar beständig aus  nördlicher Rich  tung, dreht aber des öfteren leicht. Wir kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht und wenden bei fast jedem Winddreher. Als Belohnung für unseren Einsatz sind wir um 13.22 Uhr bereits das 8. Schiff der Flotte. Noch sind die Schiffe dicht beisammen und es kommt zu regelrechten Wendeduellen. Obwohl wir eine Stunde nach dem Start mit unserem Wachsystem begonnen haben, sind alle Mann an Deck, das Regattafieber ist ausgebrochen! Unsere Crew besteht aus 6 Personen, die in zwei Wachen a. 3 Mann aufgeteilt sind. Die Backbordwache besteht aus dem Skipper Karl-Heinz Böhm, Christian Lürzer und Oliver Schäge, die Steuerbordwache führt Eric Schneppendahl mit Volker Strehlow und Jürgen Böhm.   

 

 Um 17.35 haben wir die NO-Spitze von Duki-  Otok gerundet und nehmen Kurs West Richtung offene Adria. Durch den Kurswechsel hat sich auch die scheinbare Windrichtung geändert und wir können das Vorsegel gegen den Genacker austauschen. Logbucheintrag um 21.30 Uhr: wir sind das führende Schiff! Zu unserer eigenen Überraschung! Als führendes Schiff der Flotte fahren wir in die Nacht, daher ist die Rettungsweste jetzt Pflicht. Der Wind hat etwas nachgelassen, aber wir können uns langsam aber stetig vom Feld absetzen.

Der Nordwind ermöglicht es uns, das nächste Zwischenziel bzw. Wegepunkt, die kleine Insel Veli Rati, ca. 89 Seemeilen entfernt, mit Kompaßkurs 141 Grad direkt anzusteuern.  Nach ca. 2 Stunden dreht der Wind leicht und läßt etwas nach auf ca. 2 Bft. und wir wechseln vom Genacker auf den Spinnacker. Obwohl die Crew in dieser Zusammensetzung das erste Mal zusammen segelt, laufen die Manöver ruhig und ganz gut ab.

Auf der Fahrt nach Veli Rati passieren wir eine Fischerflotte von ca. 12 Schiffen und so manch einem von uns wird klar, warum es so wenig bzw. immer weniger Fische gibt.

 Am Dienstag, den 09.04.2013 um 14.00 Uhr erreichen wir Veli Rati und nehmen Kurs auf den Namensgeber dieser Regatta, die Felseninsel Palagruža, ca. 37 Seemeilen entfernt, Kurs 166 Grad. Kurz darauf fängt es heftig an zu regnen und der Wind steigt sprunghaft auf 5-6 Bft. an. Daher müssen wir den Spinnacker wegnehmen und reffen das Großsegel und gehen hoch an den Wind. Der Wind hat auf  Süd gedreht und weht uns fast auf die Nase. Hier zeigen sich die Qualitäten unserer Bavaria42 Match. Es ist ein konsequent auf Regatten ausgelegtes Schiff, mit einem Tiefkiel von 2,50 Metern und kann daher schnell und hoch am Wind Segeln.

Leider können die anderen Schiffe das auch und wir werden von einem anderen Schiff der Flotte überholt. In der Dunkelheit können wir die Startnummer nicht eindeutig erkennen. So sehr wir uns auch bemühen, unsere Geschwindigkeit zu steigern, läuft das andere Schiff uns langsam davon. Als der Wind leicht dreht, wenden wir und hoffen dadurch, doch noch vor dem anderen Schiff, am nächsten Wegepunkt, der Insel Mjlet ca. 67 Seemeilen entfernt,  anzukommen.

Der Wind nimmt noch etwas zu und nun wird deutlich , warum diese Regatta vom Veranstalter als die härteste Hochseeregatta Österreichs bezeichnet wird. Das Schiff kracht und springt durch die Wellen, das zwei Segelkameraden von uns ihr letztes Essen gerne mit den wenigen, noch verbliebenen Fischen teilen.

So geht es mehrere Stunden lang. Aber so schnell wie der Wind zugenommen hat, nimmt er auch wieder ab. Ungefähr 10 Seemeilen vor Otok Mjlet schläft er fast ein und ändert seine Richtung auf achterlich und kommt nun aus ca. 250 Grad. Das heißt Spinnacker setzen und ganz aufmerksam die Segel trimmen. Leider scheinen einige Schiffe hinter uns etwas mehr Wind zu haben und nähern sich langsam, aber unaufhaltsam. Offensichtlich sind wir in ein Windloch gefahren und einige andere Regattateilnehmer überlaufen uns, aber mit viel Abstand!

Als wir die SO-Spitze der Insel Otok Mjlet runden haben uns ca. 3 Boote überholt. Wir ärgern uns darüber, aber das ist eben Regattaalltag und wir haben ja noch einen großen Teil der Strecke vor uns. Hier müssen wir auch unseren Kurs Richtung Norden ändern und Segeln nun  wieder dem Ausgangspunkt der Regatta, Biograd, entgegen. Eine große Packung Haribo verhilft der Crew wieder zu etwas mehr Moral und wir segeln in die Nacht hinein, zwischen Otok Mjlet und dem Festland entlang. Auch hier ist es schwachwindig und gegen Mitternacht müssen wir noch zwei oder drei weitere Schiffe vorbeilassen. Offensichtlich war die Tüte Haribo doch viel zu klein gewesen. 

Es ist jetzt Donnerstag, den 10.04.2013, 06.00 Uhr morgens und wir segeln bei weiterhin schwachem Wind an der Westküste der Insel Hvar entlang in Richtung Murter. Unser Navigationssystem zeigt uns ein ETA –also die ungefähre Ankunftszeit- von 23.00 Uhr Ortszeit im Ziel Biograd an.  Das ist alles andere als erfreulich, denn es sind nur noch ca. 70 Seemeilen und mit etwas mehr Wind könnten wir bereits heute nachmittag dort sein, aber es soll nicht sein. Also schleichen wir mit ca. 2-4 Knoten Fahrt dahin und versuchen den wenigen Wind so gut es geht zu nutzen.

Leider bleibt der Wind so schwach und wir Segeln an Rogoznica vobei, lassen die Insel Zirje an Backbord liegen. Mittlerweile ist es Dunkel geworden und wir müssen sehr aufmerksam navigieren, um den kleinen Inseln und Inselchen auszuweichen, die da so auf unserem Weg liegen. Dennoch gilt weiterhin der Grundsatz: keinen Meter verschenken! Wir Segeln auch des Nachts mit Spinnacker bzw. Genacker und wechseln die Segel sobald der Kurs und/oder der Wind das erfordert. Aber das wird natürlich auf allen anderen Schiffen auch so gehandelt.

Obwohl wir durch einen Funkrundruf (Rollcall) der Regattaleitung wissen, das wir in der Spitzengruppe von 9 Booten Segeln, ist kein anderes Boot in unserer Nähe. Eigentlich war  Südwind mit ca. 6-7 Bft. angekündigt, aber die Realität ist, dass der Wind eher noch ein bißchen nachläßt. Dennoch bleiben wir hoch motiviert, immerhin segeln wir in der Spitzengruppe mit, das Verfolgerfeld ist etwas abgeschlagen  und wir sind in ca. 2 – 3 Stunden im Ziel.

Als wir uns Biograd nähern, ca. 3 - 4 Seemeilen vor dem Ziel, taucht an unserer Backbordseite ein weiteres Schiff der Regattaflotte auf. Jetzt geht es um die Wurst! Da wir raumen Wind von Steuerbord haben und beide Schiffe den Spinnacker gesetzt haben, hilft jetzt nur noch Geschwindigkeit. Zweimal versucht das andere Schiff anzuluven und zu uns rüber zu kommen, aber es gelingt ihm nicht. Unbeirrt fahren wir gerade aus auf die Ziellinie zu. Die Entfernung beträgt jetzt vielleicht ca. 850 m. Plötzlich bemerken wir an unserer rechten Seite, der Steuerbordseite, ein weiteres Schiff, dieses hat aber ca. 150 m Vorsprung und ist damit nicht mehr einzuholen.

Leider können wir unsere Geschwindigkeit nicht mehr steigern und laufen mit gleicher Fahrt, paralell zu dem Schiff auf unserer Backbordseite, auf die Ziellinie zu. Da die Ziellinie leicht schräg liegt, kann das andere Schiff die Ziellinie 01.06 Minuten vor uns überqueren. Es ist die Solent, ebenfalls eine Bavaria42 Match. Gratulation!

Unsere Ankunftszeit im Ziel: Freitag, den 11.04.2013, 03.45.05 Uhr Ortszeit und damit sind wir das neunte Schiff von insgesamt 31 gestarteten Boten.

   Der Empfang in der Marina ist vom allerfeinsten! Die bereits eingelaufenen Segler stehen auf der Kaimauer und begrüßen jedes Schiff mit mindestens einer La Ola Welle. Zwischendurch ist noch Zeit für die Stegparty, das Bier und die Würste wurden von diversen Teilnehmern gestiftet. Hier wird nun gefachsimpelt was das Zeug hält oder ganz still vor sich hin geträumt.

Wir sind mit unserem Ergebnis zufrieden. Das erste Schiff der Regattaflotte, die Malemok III,  lief am Freitag, den 19.04.2013 um 01.17.40 Uhr Ortszeit über die Ziellinie. Wir überquerten die Ziellinie um 03.45.05 Uhr, d.h. zwischen uns und dem Siegerschiff lagen nur ca. 02.30 Stunden Unterschied und das nach 380 Seemeilen (ca. 700 km)

Nach uns, als 10.tes Boot um 05.33.58 Uhr Ortszeit, kommt die Silver Arrow ins Ziel, hier ist sogar ein Olympiateilnehmer aus Österreich an Bord. Wir befinden uns also in bester Gesellschaft!

 

Weitere Info’s unter:   www.roundpalagruza.at                                                   

Für das Rolex Middle Sea Race 2014 sucht der Skipper noch Mitsegler. Es wird auf einer FIRST 45f5 gesegelt werden. Interessenten können sich beim Vorstand melden. Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  

Karl-Heinz Böhme April 2013  AHYC

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