Lesen Sie hier den Reisebericht über den Törn Mindelo/Kapverdische Inseln - Kanarische Inseln - Agadir/Marokko - Strasse von Gibraltar – Ceuta – Malaga – Ibiza – Mallorca – Cagliari/Sardinien – Strasse von Messina - Reggio di Calabria – Crotone – Otranto – Vis/Kroatien – Marina Kastela/Split/Kroatien

 

Vorgegebenes Zeitfenster vom 13. März – 04. Mai 2007

1. Vor dem Törn

1.1 Wie kam es zu dem Törn

1.2 Besonderheiten der befahrenen Reviere

1.3 Kommunikation

1.4 Kontakt mit Flüchtlingsbooten

1.5 Nautische Unterlagen

2. Der Törn

2.1 Etappe von den Kapverden nach Lanzarote

2.2 Etappe von Lanzarote nach Malaga

2.3 Etappe von Malaga nach Mallorca

2.4 Etappe von Mallorca nach Cagliari/Sardinien

2.5 Etappe von Cagliari/Sardinien nach Split/Kroatien

3. Nach dem Törn

 

1. Vor dem Törn

1.1 Wie kam es zu dem Törn

Da ich keine eigene Yacht besitze sondern mehrmals im Jahr in verschiedenen Revieren chartere fiel mir bei meiner Recherche im Dezember 2006 im Internet das Angebot eines Überführungstörns von den Kapverden nach Kroatien eines österreichischen Vercharterers auf. Einen Törn von dieser Länge hatte ich zuvor noch nie gemacht. Solange ich noch berufstätig war konnte ich derartige Reisen nicht unternehmen. Es stellte sich nun die Frage wer denn Zeit und Lust hätte mich zu begleiten. Nach einigen Telefonaten mit meiner Stammcrew und weiteren Segelfreunden war die Mannschaft in etwa zusammen. Wir mussten noch die passenden Flughäfen für den Crewwechsel finden und dann konnte gebucht werden.

1.2 Besonderheiten der befahrenen Reviere

Ein Teil der Strecke wie Kanaren, afrikanische Küste, Strasse von Gibraltar, Mallorca, Liparische Inseln und Kroatien war mir von früheren Reisen bekannt. Der weitaus größere Teil jedoch war neu und die Vorbereitung musste besonders sorgfältig geschehen. Wir waren uns schon darüber im Klaren, dass uns zu Beginn der Reise der Nordost-Passat zu mühsamen Kreuzschlägen zwingen würde, dass es aber so rau werden würde wie es kam hatten wir nicht erwartet. Auch die Dünung am afrikanischen Festlandsockel, die wir zweimal queren mussten, war mit bis zu 4 m Wellenhöhe sehr unangenehm. Für die Strasse von Gibraltar und für die Strasse von Messina hatten wir uns eine Tabelle mit geeigneten Durchfahrzeiten erstellt, was uns später zu Nutzen kam.

1.3 Kommunikation

Auf einer Charteryacht ist im Allgemeinen nur ein UKW-Gerät installiert und es stehen im Küstenbereich die Mobiltelefone zur Verfügung. Da uns dies bei unseren Entfernungen vom Land nicht helfen würde, haben wir uns entschlossen für die Dauer der Reise ein Iridium-Satellitentelefon zu mieten. Wie sich später herausstellte eine wirklich gute Entscheidung. Wir konnten zu einem günstigen Tarif zu Haus anrufen und uns auch ständig mit Wetterinformationen und Törnberatungen versorgen.

1.4 Kontakt mit Flüchtlingsbooten

In den nautischen Nachrichten der Kreuzerabteilung Heft 1/2007 ab Seite 13 ist dieses Problem ausführlich geschildert. Leider lag uns zum Zeitpunkt der Abreise dieses Heft noch nicht vor. Ich hatte mich aber im Februar 2007 telefonisch bei dem Leiter der Informationsstelle Mittelmeer, Herrn Martin Muth, und dem KA-Repräsentanten auf Gran Canaria, Herrn Wolf-Walter Ernst, zu diesem Problem ausführlich erkundigt. Wir haben dann auch im Mitseglerkreis unser Verhalten und die gegebenenfalls notwendigen Maßnahmen besprochen.

1.5 Nautische Unterlagen

Entsprechend den Angaben des Vercharterers war die Yacht mit allen Seekarten und Handbüchern für den Überführungstörn ausgerüstet. Zusätzlich war ein Kartenplotter mit GPS vorhanden. Ich hatte trotzdem die notwendigsten Karten und Handbücher zusätzlich mitgenommen.

2. Der Törn

2.1 Etappe von den Kapverden nach Lanzarote

Straßenszene am Hafen in Mindelo

                                                                                                                                  Fischmarkt in Mindelo

Verproviantierung in Mindelo

Nach dem Flug von Frankfurt nach Sal, Übernachtung in Sal und Weiterflug am nächsten Tag nach Sao Vicente erreichten wir den Liegeplatz des Katamarans in Mindelo. Die Übernahme gestaltete sich etwas schwierig, da verschiedene Vereinbarungen nicht eingehalten waren. Letztendlich konnten wir am nächsten Morgen gegen 07.00 Uhr in See stechen. Durch den Passat konnten wir die Kanaren nicht direkt anlegen und unser Kurs-voraus-Vektor am Kartenplotter zeigte nach New York. In mehreren Kreuzschlägen näherten wir uns den Kanaren an und konnten dann später, dank einer ausführlichen Törnberatung durch unseren Wetterdienst, direkten Kurs nehmen. Während der gesamten Strecke von Mindelo zu den Kanaren sahen wir nicht ein einziges Schiff. Wir kamen uns auf der Weite des Atlantiks etwas verlassen vor.

 

Nachtanken von Diesel aus Kanistern auf hoher See

 

Die Kanareninsel Hiero erreichten wir am 23.03.2007, pünktlich zum 60. Geburtstag unseres Crewmitgliedes Werner. Wir feierten diesen mit einem opulenten Mittagessen, mussten uns dann aber schon wieder auf den Weg begeben.

 

La Restinga / Hiero / Kanaren

Katamaran „I feel fine“ am Kai in La Restingua

Porto Calero auf Lanzarote erreichten wir rechtzeitig, um die gebuchten Flüge der abreisenden Crewmitglieder einhalten zu können. Die Wetter- und Seegangsverhältnisse während der zurück liegenden Tage waren durchweg widrig.

2.2 Etappe von Lanzarote nach Malaga

In Porto Calero verbrachten wir eine Nacht und liefen am nächsten Tag mit den neuen Crewmitgliedern an Bord um die Mittagszeit aus. Ob wir von Lanzarote den Kurs nach Malaga richten oder an der afrikanischen Küste segeln sollten, wollten wir einer Entscheidung am nächsten Tag vorbehalten. Dazu holten wir uns am nächsten Tag eine Törnberatung unseres Wetterdienstes ein.

Zwischen Lanzerote und Fuerteventura

Leider erhielten wir eine Sturmwarnung für den Abend des folgenden Tages mit Windstärken in Böen von 9-10 Bft. In dem folgenden Telefongespräch über Satelittentelefon mit den Meteorologen klärten wir unser Verhalten ab und entschieden uns Agadir als Schutzhafen anzulaufen.

Agadir, Leuchtschrift am Berg

Der Schwell am afrikanischen Kontinentalsockel kombiniert mit dem langsam zunehmenden Wind zeigte uns unsere Grenzen auf. Wir wetterten den Sturm im Fischereihafen Agadir ab. Die neue Marina war noch nicht in Betrieb. In den folgenden Tagen führte unser Kurs in respektablem Abstand an der afrikanischen Küste nach Norden. Unser nächstes Ziel Tanger erreichten wir gegen 22.00 Uhr. Da ich diesen Hafen bereits aus früheren Törns kenne, wollte ich nicht in der Dunkelheit dort einlaufen, da sich häufig treibende Leinen und sonstiger Unrat im Wasser befindet. Wir trafen die Entscheidung die Straße von Gibraltar noch in der Nacht zu durchfahren, zumal das Zeitfenster im Moment günstig war. Den Verkehr im Verkehrstrennungsgebiet konnten wir mittels Radar und Ausguck gut und problemlos orten. In den frühen Morgenstunden erreichten wir Ceuta, eine spanische Enklave in Nordafrika. Es war Mittwoch vor Gründonnerstag und in Ceuta fand am Abend eine große und beeindruckende Prozession statt, die wir uns ansahen.

Prozession in Ceuta

Am nächsten Morgen, noch in der Dunkelheit, liefen wir in Richtung Malaga aus. Wir wollten Malaga bzw. Benalmadena rechtzeitig erreichen, da noch einige Reparaturen am Schiff zu erledigen waren und wir fälschlicherweise annahmen Gründonnerstag sei in Spanien ein Arbeitstag. Das Servicepersonal hatte jedoch bereits Feiertag und nur mit Hilfe des Marinapersonals fanden wir Mechaniker und Segelmacher, die uns auch an den Feiertagen weitergeholfen haben. Auch hier erfolgte der Crewwechsel pünktlich.

2.3 Etappe von Malaga nach Mallorca

Ostermontag Abend liefen wir bei schwachem Wind aus Nordost in Benalmadena aus. Wir liefen zunächst unter Motor parallel zur Küste und kreuzten dann gegen den auffrischenden Nordost an. Bei Cap Gato hatte der Wind, verstärkt durch den Kapeffekt, mittlerweile auf 25-34 kn aufgebrist und wir konnten mit unserem Katamaran Cap Gato nicht runden. Wir entschlossen uns zunächst einen langen Kreuzschlag Richtung afrikanische Küste zu machen. Da wir dazu das stark befahrene Verkehrstrennungsgebiet bei Cap Gato queren mussten, informierten wir zuvor über UKW „Cap Gato Traffic-Control“. In der folgenden Nacht bauten sich vor der afrikanischen Küste starke Gewitter auf und wir änderten unseren Kurs Richtung Mallorca, wo wir auch hin wollten. Eine weitere ausführliche Wetterberatung am nächsten Tag warnte uns wieder vor einem Sturmtief zwischen Ibiza und Mallorca am übernächsten Tag. Die sofortige Entscheidung unter Segel und Maschine mit maximaler Fahrt Ibiza anzulaufen, erwies sich als richtig. Wir erreichten Ibiza in den späten Abendstunden rechtzeitig vor dem Sturmtief. Am nächsten Tag, als sich der Sturm zur vollen Stärke entwickelte, waren wir heilfroh im Hafen zu liegen. Die Palmen bogen sich wie Strohhalme im Wind. Am nachfolgenden Tag nachmittags, entsprechend den Angaben in der Wetterberatung, liefen wir aus Ibiza aus und erreichten bei moderaten Winden Mallorca am nächsten Morgen. Die nachfolgenden Crewmitglieder, vom Flughafen kommend, kamen gleichzeitig mit uns am Hafen an.

2.4 Etappe von Mallorca nach Cagliari/Sardinien

Die Etappe von Mallorca nach Cagliari gestaltet sich, von einem Nachmittag abgesehen, recht moderat und es waren einige Strecken mit Windstille dabei. Hier trafen wir auch zweimal auf Seenebel, eine unangenehme Wettererscheinung, aber dank Radar und verstärktem Ausguck bzw. horchen nicht übermäßig beunruhigend. Während der ruhigen Reise konnten wir die neuen, relativ unerfahrenen Crewmitglieder mit den notwendigsten seemännischen Arbeiten und Handreichungen vertraut machen. Cagliari erreichten wir im Zeitplan, haben allerdings Isola San Pietro mit Calaforte ausgelassen. Der Crewwechsel erfolgte wieder ohne Probleme.

2.5 Etappe von Cagliari/Sardinien nach Split/Kroatien

Nachdem wieder alle Tanks, Wasser und Diesel, sowie die Dieselkanister voll waren ging es auf die letzte Etappe nach Split. Der Wind, wie fast immer, auf die Nase. Die Isola Ustica und Palermo auf Sizilien liefen wir nicht an um etwas mehr Zeit für die liparischen Inseln zu haben. Auf Salina hätten wir gerne noch einige Tage verbracht, aber der recht enge Zeitplan trieb uns weiter. Wir wollten jedoch zumindest den Stromboli bei Nacht passieren um die sich ständig wiederholenden Lavaauswürfe zu sehen. Ich kenne das von einem früheren Törn und war damals sehr beeindruckt. Jetzt hatten wir allerdings kein Glück, der Gipfel des Strombolis war von einer dichten Wolkendecke eingehüllt und wir konnten nichts erkennen. In der Nacht hatten wir ein zweites mal Pech und wir fingen uns mit unserer Bb.-Schraube ein Fischernetz ein. Die Fischer hatten ihr Netz quer durch das Fahrwasser gelegt. Das war auch wohl der Grund, warum die Fischer ohne zu murren zu uns längsseits kamen und uns halfen von dem Netz wieder frei zu kommen. Wir hatten später das Gefühl die Bb.-Schraube liefe bei bestimmten Drehzahlen etwas unrund. Bei der niedrigen Wassertemperatur von ca. 14 Grad wollte auch niemand tauchen. Die Strasse von Messina passierten wir im richtigen Zeitfenster und schossen geradezu durch die Meerenge. In Reggio di Calabria, einem schmutzigen Hafen mit der Autobahn unmittelbar neben dem Yachtkai, blieben wir nur eine Stunde zum Tanken und machten uns wieder auf den Weg. An der Südspitze von Italien, aus der Strasse von Messina kommend, gibt es keine geeigneten Häfen für Yachten. Der erste annehmbare Hafen ist Crotone, den wir am nächsten Tag erreichten. Beim Anlegemanöver war uns der Hafenmeister behilflich und ehe wir uns versahen hatten wir eine Mooringleine, die er noch in der Hand hielt, in der Stb.-Schraube. Er verständigte für den nächsten morgen einen Taucher der auch gleichzeitig die restlichen Netzteile aus der Bb.-Schraube schnitt. Das alles für 250,--€ zu unseren Lasten. Wir konnten den Hafen von Crotone, zwar verärgert über den Hafenmeister, aber doch beruhigt weil nun auch die restlichen Netzteile entfernt waren, wieder verlassen. Unser nächster und letzter Hafen in Italien war Otranto. Eine wunderschöne mittelalterliche Stadt, aber total überlaufen. Touristenströme schoben sich durch die engen Gassen. Von Otranto erreichten wir, ohne besondere Vorkommnisse, innerhalb von 2 Tagen, die Insel Vis in Kroatien wo wir einklarierten. Nach wenigen weiteren Stunden waren wir dann am 02.Mai 2007 gegen 17.00 Uhr in der Marina Kastela bei Split in Kroatien. Der Törn war zu Ende. Nach 2 Tagen flogen wir am 04.Mai 2007 zurück nach Frankfurt.

3. Nach dem Törn

Die Reise führte uns über eine Strecke von 4090 sm. Da wir unterwegs vier Crewwechsel hatten waren wir eigentlich immer unter Zeitdruck, zumal Wind und Wetter nicht unseren Vorstellungen bzw. unserer Planung entsprachen. Wir hatten fast während des gesamten Törns Winde aus dem 1.Quadranten was uns nicht so vorankommen ließ wie wir geplant hatten. Außerdem war es einfach zu kalt für die Jahreszeit und das Revier. Bei Telefongesprächen mit zu Hause erfuhren wir, dass hier in Deutschland im April hochsommerliche Temperaturen herrschten, wir merkten davon nichts.

Entgegennahme der Silbermedaille in Hamburg / Günter mit einem Teil seiner Crew

Festlich gedeckte Tische für die Ehrengäste

Zufriedene Gesichter

Abschließend kann ich sagen, dass der Törn allen Mitseglern und auch mir viel Erfahrung gebracht hat und uns aber auch unsere Grenzen zeigte. Immerhin sind wir fast alle zwischen 60 und 70 Jahre alt. Ich selbst würde so einen Törn wieder unternehmen, aber nicht mehr unter diesem Zeitdruck.

Günter Schwab